Aderleitung

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Aderleitung Ratgeber

Alles Wissenswerte rund um Aderleitung — Auswahl, Normen und Anwendung.

Aderleitung H07V-K und H07V-U – Verdrahtung in Verteilung und Schaltschrank

Eine Aderleitung ist eine einadrige Leitung mit nur einer Isolierschicht und ohne äußeren Mantel. Sie ist damit die schlankste Bauform im Kabelsortiment und für die geschützte Verlegung bestimmt: in Verteilern, Schaltschränken, Installationsrohren und Kabelkanälen. Die beiden verbreiteten Typen sind H07V-K mit feindrähtigem, flexiblem Leiter und H07V-U mit eindrähtigem, starrem Leiter. Im Sanos Elektroshop erhalten Sie beide als Meterware auf Wunschlänge zugeschnitten sowie als Ring.

H07V-K oder H07V-U? Die Unterschiede

Beide Typen sind für 450/750 V bemessen und tragen dieselbe PVC-Isolierung. Der Unterschied liegt im Leiteraufbau – und der entscheidet über die Verarbeitung. H07V-K besteht aus vielen dünnen Einzeldrähten und lässt sich eng biegen, ohne zu brechen. H07V-U besteht aus einem einzigen massiven Draht, behält seine Form und lässt sich präzise ablegen.

Merkmal H07V-K H07V-U
Leiteraufbau feindrähtig, Klasse 5 eindrähtig, Klasse 1
Flexibilität hoch gering, formstabil
Aderendhülse erforderlich nicht erforderlich
Typischer Einsatz Verteilerverdrahtung, Schaltschrank Installationsrohr, feste Verlegung

Für die Verdrahtung in einem Kleinverteiler ist H07V-K die Praxiswahl: Die Adern lassen sich eng um Reiheneinbaugeräte führen, ohne dass Zug auf den Klemmen entsteht. Beim Klemmen ist zwingend eine Aderendhülse zu verpressen – sonst spreizen die Einzeldrähte auf und die Klemmverbindung wird unzuverlässig.

Querschnitt und Aderfarben nach Norm

Der Querschnitt richtet sich nach Strombelastbarkeit und Verlegeart. Die Farbkennzeichnung ist in der DIN VDE 0293-308 geregelt und nicht frei wählbar – sie ist die Grundlage dafür, dass eine Anlage auch Jahre später von einem anderen Elektriker sicher verstanden wird.

Aderfarbe Funktion Kennzeichnung
Grün-Gelb Schutzleiter PE – ausschließlich hierfür
Blau Neutralleiter N
Braun, Schwarz, Grau Außenleiter L1, L2, L3

Grün-Gelb ist dem Schutzleiter vorbehalten und darf niemals für eine andere Funktion verwendet werden. Wir führen Aderleitungen in allen normgerechten Farben in den Querschnitten von 1,5 bis 16 mm².

Strombelastbarkeit nach Querschnitt

Die folgenden Richtwerte gelten für PVC-isolierte Kupferleiter bei 30 °C Umgebungstemperatur und maximal drei belasteten Adern. Maßgeblich im Einzelfall ist immer die Berechnung nach DIN VDE 0298-4 unter Berücksichtigung von Verlegeart und Häufung.

Querschnitt Im Rohr (B2) Frei verlegt (C) Typische Absicherung
1,5 mm² 15,5 A 19,5 A B16
2,5 mm² 21 A 27 A B20
4,0 mm² 28 A 36 A B25
6,0 mm² 36 A 46 A B32
10 mm² 50 A 63 A B50
16 mm² 68 A 85 A B63

Die Absicherung muss stets unter der Belastbarkeit der Leitung liegen, nicht darüber – der Schutzschalter schützt die Leitung, nicht das Gerät. Bei Häufung mehrerer Stromkreise im selben Rohr sinken die Werte weiter; bei sechs belasteten Adern liegt der Reduktionsfaktor bereits bei etwa 0,57.

Typische Verarbeitungsfehler bei Aderleitung

Die meisten Störungen in einer Verteilung gehen nicht auf defekte Bauteile zurück, sondern auf Klemmstellen. Eine schlecht ausgeführte Klemmung erhöht den Übergangswiderstand, die Stelle erwärmt sich, der Widerstand steigt weiter – ein sich selbst verstärkender Vorgang, der im Extremfall zum Brand führt.

Fehler Folge Richtig
Zu lang abisoliert Blanker Leiter sichtbar Auf Hülsenlänge absetzen
Hülse nicht verpresst Lose Einzeldrähte Presszange mit Zwangssperre
Falsche Hülsengröße Kein sicherer Sitz Hülse zum Querschnitt wählen
Leiter eingekerbt Querschnittsverlust, Bruchstelle Abisolierzange statt Messer
Zug auf der Klemme Klemme lockert sich Zugentlastung setzen

Ein mit dem Messer eingekerbter Leiter bricht unter Vibration oder bei späterer Nacharbeit – oft erst Monate danach. Die Abisolierzange kostet wenig und verhindert diesen Fehler zuverlässig. Passende Aderendhülsen führen wir in allen gängigen Querschnitten.

Welchen Querschnitt braucht die Aderleitung?

Der Querschnitt einer Aderleitung ergibt sich nicht allein aus dem Strom, sondern aus dem Zusammenspiel von Strombelastbarkeit, Verlegeart und Häufung. Liegen mehrere Adern gebündelt in einem Rohr, erwärmen sie sich gegenseitig – die zulässige Belastbarkeit sinkt. Die DIN VDE 0298-4 gibt dafür Reduktionsfaktoren vor.

Als Orientierung für die Verdrahtung in der Verteilung: 1,5 mm² trägt bei üblicher Verlegung rund 16 A und wird für Beleuchtungsstromkreise eingesetzt. 2,5 mm² trägt etwa 20 A und ist der Standard für Steckdosenstromkreise. Für Zuleitungen zu Unterverteilungen und für die Anbindung von Sammelschienen werden 6, 10 oder 16 mm² verwendet.

Der zweite Faktor ist der Spannungsfall. Über lange Strecken verliert die Leitung Spannung; die DIN VDE 0100-520 empfiehlt, den Spannungsfall vom Hausanschluss bis zum Verbraucher auf 3 Prozent zu begrenzen. In der Verteilung selbst spielt das wegen der kurzen Wege kaum eine Rolle – bei längeren Zuleitungen zu einer Unterverteilung dagegen sehr wohl. Dann ist der nächstgrößere Querschnitt die richtige Entscheidung, auch wenn die Strombelastbarkeit den kleineren zulassen würde.

Wo Aderleitung verlegt werden darf – und wo nicht

Aderleitungen haben keinen äußeren Mantel. Sie sind deshalb ausschließlich für die geschützte Verlegung zugelassen: in Wellrohr und Stangenrohr, in Kabelkanälen, in geschlossenen Installationskanälen sowie innerhalb von Geräten, Verteilern und Schaltschränken.

Nicht zulässig ist die offene Verlegung auf Putz, die Verlegung im Erdreich oder im Freien und die direkte Verlegung unter Putz ohne Rohr. Für diese Fälle brauchen Sie eine Mantelleitung: NYM-J für die feste Verlegung im Gebäude, NYY-J für das Erdreich oder H07RN-F für den mobilen Einsatz.

Aderleitung sauber verarbeiten

Bei H07V-K wird die Isolierung mit einer Abisolierzange auf die Länge der Aderendhülse abgesetzt – zu langes Abisolieren legt blanken Leiter frei, zu kurzes verhindert sicheren Kontakt. Die Hülse wird mit einer Presszange vierkant- oder sechskantverpresst; eine Zange mit Zwangssperre verhindert unvollständige Verpressungen.

Bei H07V-U genügt das Abisolieren, die Ader wird direkt geklemmt. Für Verbindungen außerhalb von Klemmstellen eignen sich WAGO-Verbindungsklemmen oder Abzweigklemmen. Beim Ablängen auf Wunschmaß gilt: 10 bis 15 Prozent Zugabe für Biegeradien und Nacharbeit einplanen.

Aderleitung als Meterware bei Sanos

Wir schneiden Aderleitungen auf den Meter genau zu – ohne Verschnitt und ohne Restmengen. Verfügbar sind H07V-K und H07V-U in den Querschnitten 1,5 bis 16 mm² und in allen normgerechten Aderfarben. Größere Mengen liefern wir als Ring, auf Anfrage auch als Trommelware.

Als Fachhändler für Elektroinstallationsmaterial kalkulieren wir auf Großhandelsniveau – unabhängig von der Bestellmenge. Ab 249 € Bestellwert liefern wir innerhalb Deutschlands versandkostenfrei per DHL oder GLS. Das vollständige Kabelsortiment finden Sie unter Kabel und Leitungen.

Häufig gestellte Fragen

1 Was ist der Unterschied zwischen H07V-K und H07V-U?
H07V-K hat einen feindrähtigen, flexiblen Leiter und benötigt beim Klemmen eine Aderendhülse. H07V-U hat einen eindrähtigen, starren Leiter und wird direkt geklemmt. H07V-K wird zur Verteilerverdrahtung verwendet, H07V-U zur Verlegung im Installationsrohr.
2 Darf eine Aderleitung unter Putz verlegt werden?
Nur im Rohr. Aderleitungen haben keinen äußeren Mantel und sind ausschließlich für die geschützte Verlegung zugelassen – in Installationsrohr, Kabelkanal oder Schaltschrank. Für die direkte Verlegung unter Putz ist eine Mantelleitung wie NYM-J erforderlich.
3 Welche Aderfarbe steht für welchen Leiter?
Nach DIN VDE 0293-308 ist Grün-Gelb dem Schutzleiter vorbehalten, Blau kennzeichnet den Neutralleiter, Braun, Schwarz und Grau stehen für die Außenleiter L1, L2 und L3. Grün-Gelb darf niemals für eine andere Funktion verwendet werden.
4 Brauche ich bei Aderleitung eine Aderendhülse?
Bei H07V-K ja – der feindrähtige Leiter würde beim Klemmen aufspreizen und keine sichere Verbindung bilden. Bei eindrähtiger H07V-U ist keine Hülse nötig, die Ader wird direkt geklemmt.
5 Welcher Querschnitt wird für die Verteilerverdrahtung verwendet?
Üblich sind 1,5 mm² für Beleuchtungsstromkreise, 2,5 mm² für Steckdosenstromkreise und 6 bis 16 mm² für Zuleitungen und Sammelschienenanbindungen. Maßgeblich sind Strombelastbarkeit und Verlegeart nach DIN VDE 0298-4.
6 Warum darf man Aderleitung nicht mit dem Messer abisolieren?
Das Messer kerbt den Leiter ein. Die Kerbe verringert den Querschnitt und bildet eine Bruchstelle, die unter Vibration oder bei späterer Nacharbeit versagt – häufig erst Monate nach der Montage. Eine Abisolierzange verhindert das.
7 Wie viele Adern dürfen in ein Installationsrohr?
Der Füllgrad sollte 40 Prozent des Rohrquerschnitts nicht überschreiten, damit die Adern einziehbar bleiben und sich nicht gegenseitig erwärmen. Bei Häufung sinkt zudem die zulässige Strombelastbarkeit nach DIN VDE 0298-4.

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