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SIEMENS Ratgeber

Alles Wissenswerte rund um SIEMENS — Auswahl, Normen und Anwendung.

Siemens 5SL6 und 5SV3 – Reiheneinbaugeräte für den Verteiler

Im Verteiler sitzen die Geräte, die im Fehlerfall abschalten. Siemens deckt das mit zwei Serien ab, die in der Praxis zusammen eingesetzt werden: der Leitungsschutzschalter 5SL6 gegen Überlast und Kurzschluss und der Fehlerstrom-Schutzschalter 5SV3 gegen Fehlerströme, die über den Menschen oder gegen Erde abfließen. Im Sanos Elektroshop führen wir beide Serien in den gängigen Ausführungen, dazu die Kombination FI/LS und Phasenschienen zur Verdrahtung.

Was der Leitungsschutzschalter schützt – und was nicht

Hier liegt das verbreitetste Missverständnis im Verteiler. Der Leitungsschutzschalter schützt die Leitung, nicht den Menschen. Er löst aus, wenn mehr Strom fließt, als die Leitung dauerhaft verträgt, oder wenn ein Kurzschluss auftritt. Ein Mensch, der einen Außenleiter berührt, nimmt dagegen typisch wenige Dutzend Milliampere auf – viel zu wenig, um einen B16 auszulösen, und doch lebensgefährlich. Dafür ist der FI zuständig.

Gerät Schützt Reagiert auf Typische Auslösung
Leitungsschutzschalter (LS) Die Leitung Überlast und Kurzschluss Ab Nennstrom, Kurzschluss sofort
Fehlerstrom-Schutzschalter (FI/RCD) Den Menschen Differenz zwischen Hin- und Rückstrom 30 mA Fehlerstrom
FI/LS-Kombination (RCBO) Beides, ein Stromkreis Überlast, Kurzschluss, Fehlerstrom Beide Funktionen in einem Gerät
Brandschutz-FI Die Anlage vor Brand Größere Fehlerströme 300 mA

Daraus erklärt sich die häufige Beobachtung, dass der FI auslöst, die Sicherung aber eingeschaltet bleibt: Es lag ein Fehlerstrom gegen Erde vor, keine Überlast. Umgekehrt kann ein Kurzschluss zwischen Außen- und Neutralleiter den LS auslösen, ohne dass der FI etwas bemerkt – es fließt kein Strom gegen Erde ab.

B oder C – die Auslösecharakteristik

Der Buchstabe vor der Amperezahl beschreibt, wie schnell der magnetische Teil des Schalters bei Kurzschluss reagiert. Er ist kein Qualitätsmerkmal, sondern eine Anpassung an den Verbraucher.

Charakteristik Magnetische Auslösung bei Gedacht für
B 3- bis 5-fachem Nennstrom Steckdosen, Licht, allgemeine Hausinstallation
C 5- bis 10-fachem Nennstrom Motoren, Transformatoren, Leuchtengruppen
D 10- bis 20-fachem Nennstrom Hohe Einschaltströme, Schweißgeräte

Warum das zählt: Geräte mit hohem Einschaltstrom – Motoren, Netzteile, LED-Treiber in größerer Zahl – ziehen beim Einschalten kurz ein Vielfaches ihres Betriebsstroms. Ein Leitungsschutzschalter mit B-Charakteristik deutet das als Kurzschluss und fällt. Ein C-Automat lässt den Einschaltstrom passieren und schützt die Leitung dennoch, weil der thermische Teil unverändert arbeitet. Die Wahl der Charakteristik ist damit keine Frage des Geschmacks, sondern des angeschlossenen Verbrauchers. Im Sortiment finden Sie den 5SL6 1-polig in B mit 6, 10, 13, 16 und 20 A, 1-polig in C mit 16 A sowie 3-polig in B mit 16 A und in C mit 25 und 32 A.

FI-Typen: warum Typ A heute Standard ist

Nicht jeder Fehlerstrom sieht gleich aus. Früher genügte der Typ AC, der nur auf reine Wechselfehlerströme reagiert. Durch Elektronik in nahezu jedem Gerät – Netzteile, Dimmer, Frequenzumrichter, Wechselrichter – treten heute auch pulsierende Gleichfehlerströme auf, die der Typ AC nicht erkennt. Deshalb ist Typ A die übliche Ausführung.

Typ Erfasst Einsatz
AC Reine Wechselfehlerströme Heute nicht mehr Stand der Technik
A Wechsel- und pulsierende Gleichfehlerströme Standard in der Gebäudeinstallation
F Zusätzlich Mischfrequenzen Frequenzumrichter, Waschmaschinen mit Inverter
B und B+ Zusätzlich glatte Gleichfehlerströme Photovoltaik, Ladetechnik, Antriebe

Der Auslösestrom ist davon unabhängig. 30 mA ist der Wert für den Personenschutz und für Steckdosenkreise vorgeschrieben; 300 mA dient dem Brandschutz und schützt keine Personen. Unsere 5SV3-Ausführungen: 2-polig Typ A mit 25 A und 40 A bei je 30 mA, 4-polig Typ A mit 40 A bei 30 mA – auch als Variante mit Neutralleiter links – und 4-polig mit 63 A bei 300 mA für den Brandschutz.

Wann die FI/LS-Kombination sinnvoll ist

Ein klassischer FI schützt mehrere Stromkreise gemeinsam. Das ist wirtschaftlich und hat einen Nachteil: Löst er aus, ist alles dunkel, was dahinter hängt, und die Fehlersuche beginnt mit dem Abklemmen einzelner Kreise. Die FI/LS-Kombination vereint beide Funktionen für einen einzigen Stromkreis – fällt sie, ist nur dieser Kreis betroffen. Das lohnt sich dort, wo Ausfall teuer ist: Server, Kühlung, Alarmtechnik, Melkanlage. Wir führen die 5SU13566KK16 mit 1P+N, B16, 30 mA Typ A und 6 kA Schaltvermögen.

Phasenschienen: Verdrahtung ohne Drahtbrücken

Die Außenleiter der Reiheneinbaugeräte werden nicht einzeln verdrahtet, sondern über eine Phasenschiene gebrückt, die oben in die Klemmen gesteckt wird. Das spart Zeit, reduziert Fehlerstellen und sieht im Verteiler geordnet aus. Die Länge richtet sich nach der Zahl der Teilungseinheiten, die gebrückt werden sollen – ein einpoliger Automat belegt eine Teilungseinheit von 17,5 mm.

Ausführung Module Länge
3-phasig, Stift, geschlossen 6 105 mm
3-phasig, Stift, geschlossen 9 158 mm
3-phasig, Stift, geschlossen 12 178 mm
Für FI/LS-Kombination 11 passend zur Bauform

Nicht benötigte Stifte werden abgetrennt. Wichtig ist, die Schiene passend zur Gerätebauform zu wählen: FI/LS-Kombinationen haben eine abweichende Klemmenlage, weshalb dafür eine eigene Ausführung existiert.

Die Prüftaste am FI

Jeder FI hat eine Prüftaste, die einen Fehlerstrom simuliert. Sie prüft die Mechanik, nicht die Anlage – und sie gehört regelmäßig betätigt, weil die Auslösemechanik bei jahrelangem Stillstand verharzen kann. Empfohlen wird ein Intervall von sechs Monaten. Löst der FI beim Drücken nicht aus, ist er defekt und muss ersetzt werden. Eine vollständige Prüfung mit Messung von Auslösestrom und Auslösezeit gehört zur Elektrofachkraft.

Weitere Reiheneinbaugeräte finden Sie unter Leitungs- und Personenschutz, ETI, ABB, Eaton, Schrack und Motorschutzschalter. Dazu passende Phasenschienen und Verteilerzubehör.

Gehäuse und Verteiler gibt es unter Installationskleinverteiler und Wandverteiler. Für die Verdrahtung führen wir Aderleitung H07V-K, Aderendhülsen und Schmelzsicherungen sowie NH-Sicherungen für die Hauptverteilung.

Häufig gestellte Fragen

1 Was ist der Unterschied zwischen FI-Schalter und Leitungsschutzschalter?
Der Leitungsschutzschalter schützt die Leitung vor Überlast und Kurzschluss. Der FI schützt den Menschen: Er vergleicht hin- und zurückfließenden Strom und schaltet bei einer Differenz von 30 mA ab. Ein Stromschlag erzeugt zu wenig Strom, um einen B16 auszulösen.
2 Warum löst der FI aus, die Sicherung aber nicht?
Weil ein Fehlerstrom gegen Erde geflossen ist und keine Überlast vorlag. Typische Ursachen sind Feuchtigkeit in einer Dose, ein defektes Gerät oder eine beschädigte Leitungsisolierung. Der Leitungsschutzschalter sieht davon nichts, solange der Gesamtstrom im Rahmen bleibt.
3 Was bedeutet B oder C beim Leitungsschutzschalter?
Der Buchstabe gibt an, bei welchem Vielfachen des Nennstroms die magnetische Auslösung greift: B beim 3- bis 5-fachen, C beim 5- bis 10-fachen. B ist Standard für Steckdosen und Licht, C für Verbraucher mit hohem Einschaltstrom wie Motoren und Transformatoren.
4 Welchen FI-Typ brauche ich?
Typ A ist in der Gebäudeinstallation Standard und erfasst Wechsel- sowie pulsierende Gleichfehlerströme. Für Frequenzumrichter ist Typ F gedacht, für Photovoltaik und Ladetechnik Typ B oder B+. Typ AC entspricht nicht mehr dem Stand der Technik.
5 Was ist der Unterschied zwischen 30 mA und 300 mA?
30 mA ist der Wert für den Personenschutz und für Steckdosenkreise vorgeschrieben. 300 mA dient dem Brandschutz und soll Ableitströme erkennen, die Leitungen erwärmen – Personen schützt er nicht. Beide Werte haben unterschiedliche Aufgaben und ersetzen sich nicht.
6 Wie oft soll ich die Prüftaste am FI betätigen?
Etwa halbjährlich. Die Taste prüft die Auslösemechanik, die bei langem Stillstand verharzen kann. Löst der FI beim Drücken nicht aus, ist er defekt. Die vollständige Prüfung mit Messung von Auslösestrom und Auslösezeit gehört zur Elektrofachkraft.
7 Wann lohnt sich eine FI/LS-Kombination?
Wenn ein Ausfall teuer wird. Ein gemeinsamer FI nimmt im Fehlerfall alle dahinterliegenden Stromkreise mit; die Kombination schützt nur ihren eigenen Kreis und lässt die übrigen laufen. Sinnvoll bei Servern, Kühlung, Alarmtechnik und landwirtschaftlichen Anlagen.
8 Welche Länge brauche ich bei der Phasenschiene?
Die Länge richtet sich nach der Zahl der zu brückenden Teilungseinheiten; eine Einheit misst 17,5 mm. Wir führen geschlossene 3-phasige Stiftschienen mit 6, 9 und 12 Modulen sowie eine 11-Modul-Variante für FI/LS-Kombinationen, die eine abweichende Klemmenlage haben.

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