Kabelverschraubung

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Kabelverschraubung Ratgeber

Alles Wissenswerte rund um Kabelverschraubung — Auswahl, Normen und Anwendung.

Kabelverschraubung – dichte Kabeleinführung mit Zugentlastung

Eine Kabelverschraubung ist ein Verbindungselement, das ein Kabel dicht in ein Gehäuse einführt und gleichzeitig mechanisch festhält. Sie übernimmt damit zwei Aufgaben auf einmal: Sie verschließt die Gehäuseöffnung gegen Staub und Wasser entsprechend der geforderten IP-Schutzart, und sie entlastet die Klemmstellen im Inneren von Zug. Ohne Kabelverschraubung überträgt jeder Ruck an der Leitung Kraft direkt auf die Klemme. Im Sanos Elektroshop finden Sie Kabelverschraubungen in metrischem Gewinde von M12 bis M63 sowie in PG-Ausführung, aus Polyamid und Messing.

Welche Kabelverschraubung passt zu meinem Kabel?

Die Auswahl erfolgt über den Außendurchmesser der Leitung, nicht über den Leiterquerschnitt. Jede Größe deckt einen Klemmbereich ab – liegt der Kabeldurchmesser darunter, dichtet die Verschraubung nicht; liegt er darüber, lässt sie sich nicht schließen. Messen Sie den Außendurchmesser mit einem Messschieber, bevor Sie bestellen.

Metrisch Klemmbereich Bohrloch Typische Leitung
M12 3–6,5 mm 12,5 mm Steuerleitung, Sensor
M16 4,5–10 mm 16,5 mm NYM-J 3×1,5
M20 6–12 mm 20,5 mm NYM-J 3×2,5, H07RN-F 3G1,5
M25 11–17 mm 25,5 mm NYM-J 5×2,5, H07RN-F 5G2,5
M32 18–25 mm 32,5 mm NYY-J 5×6, Motorzuleitung
M40 22–32 mm 40,5 mm NYY-J 5×16
M63 34–48 mm 63,5 mm Hauptzuleitung

Das Bohrloch ist jeweils 0,5 mm größer als die Gewindenennweite. Wer mit einem Stufenbohrer arbeitet, trifft diese Maße direkt. Ein zu großes Loch lässt sich nicht nachträglich abdichten – im Zweifel kleiner bohren und aufreiben.

PG oder metrisch? Die beiden Gewindesysteme

PG steht für Panzergewinde und ist das ältere, in Deutschland lange dominierende System. Metrische Gewinde nach EN 60423 sind der heutige Standard und international durchgängig. Beide Systeme sind nicht kompatibel, in Bestandsanlagen treffen Sie aber regelmäßig auf PG. Die folgende Tabelle ordnet die Größen einander zu.

PG-Größe Entspricht etwa Klemmbereich
PG7 M12 3–6,5 mm
PG9 M16 4–8 mm
PG11 M20 5–10 mm
PG13,5 M20 6–12 mm
PG16 M25 10–14 mm
PG21 M32 13–18 mm
PG29 M40 18–25 mm

Die Zuordnung ist eine Näherung – Gewindesteigung und Klemmbereich weichen leicht ab. Beim Austausch in einer Bestandsanlage ist die vorhandene Gehäusebohrung maßgeblich, nicht die Kabelgröße allein.

Polyamid oder Messing?

Merkmal Polyamid Messing vernickelt
Gewicht leicht schwer
Temperatur −20 bis +100 °C −40 bis +150 °C
EMV-Schirmung nein ja, bei EMV-Ausführung
Chemikalien gut sehr gut
Einsatz Standardinstallation Industrie, Maschinenbau, EMV

Für die klassische Elektroinstallation in Verteilern und Abzweigdosen ist Polyamid die wirtschaftliche Wahl: halogenfrei, flammwidrig, selbstverlöschend und korrosionsfrei. Messing kommt dort zum Einsatz, wo geschirmte Leitungen aufgelegt werden und die Schirmung durchgängig auf Gehäusepotential geführt werden muss.

Welche IP-Schutzart erreicht welche Ausführung?

Die Kabelverschraubung bestimmt die Schutzart des gesamten Gehäuses mit. Ein IP66-Gehäuse mit einer IP54-Verschraubung ist am Ende ein IP54-Gehäuse – die schwächste Komponente gibt den Ausschlag.

Ausführung Schutzart Dichtelement Einsatz
Standard Polyamid IP54 Einfacher Dichtring Innenraum, trocken
Polyamid mit O-Ring IP68 Dichtring plus O-Ring Außen, Feuchtraum
Messing vernickelt IP68 O-Ring, metallisch Industrie, Maschinenbau
EMV-Ausführung IP68 Schirmkontaktfeder Geschirmte Leitungen

Für IP68 ist neben dem O-Ring entscheidend, dass die Gegenmutter gegen eine plane, unbeschädigte Gehäusefläche zieht. Eine ausgefranste Bohrung oder ein Grat unterläuft jede Dichtung. Passende Gehäuse mit vorbereiteten Einführungen finden Sie unter Verteilungszubehör.

Zugentlastung – die unterschätzte Funktion

Die Dichtwirkung ist der sichtbare Zweck einer Kabelverschraubung, die Zugentlastung der sicherheitsrelevante. Nach DIN EN 62444 muss eine Kabelverschraubung definierte Zugkräfte aufnehmen, ohne dass sich das Kabel verschiebt. Der Sinn dahinter: Reißt jemand an der Leitung, darf die Kraft nicht auf die Klemmstellen im Gehäuse durchschlagen. Ein aus der Klemme gerissener Außenleiter, der auf ein leitfähiges Gehäuse fällt, ist ein Störlichtbogen.

Die Prüfkraft steigt mit der Gewindegröße – bei M20 liegt sie im Bereich von 100 N, bei M40 deutlich darüber. Erreicht wird sie über den Klemmkorb, der sich beim Anziehen der Druckschraube gleichmäßig um den Kabelmantel legt. Voraussetzung ist, dass der Kabeldurchmesser im spezifizierten Klemmbereich liegt: Eine zu dünne Leitung in einer zu großen Verschraubung wird weder dicht noch zugentlastet, auch wenn die Schraube fest sitzt.

Bei geschirmten Leitungen in Kommunikations- und Datenanwendungen übernimmt eine EMV-Verschraubung zusätzlich die Schirmauflage. Der Schirm wird dabei rundum kontaktiert, nicht über einen einzelnen Draht – nur so bleibt die Schirmwirkung über den gesamten Frequenzbereich erhalten. Für die Verlegung solcher Leitungen führen wir Kabelkanäle mit getrennten Kammern.

Kabelverschraubung im Außenbereich richtig abdichten

An einer Außenwand reicht die Verschraubung allein nicht aus. Die Durchführung durch das Mauerwerk muss zusätzlich gegen eindringendes Wasser gesichert werden. In der Praxis bewährt sich ein leichtes Gefälle nach außen, sodass Wasser an der Leitung abtropft statt ins Gebäude zu laufen, kombiniert mit einer elastischen Dichtmasse an der Mauerdurchführung.

Ein zweiter Punkt, der oft übersehen wird: Kondenswasser. In Gehäusen, die im Tagesverlauf stark abkühlen und sich wieder erwärmen, sammelt sich Feuchtigkeit von innen. Abhilfe schafft ein Druckausgleichselement, das Luftaustausch erlaubt, aber Wasser zurückhält. Alternativ wird das Gehäuse so montiert, dass die Verschraubungen nach unten zeigen – so tropft Kondensat ab statt sich zu sammeln. Passende Gehäuse finden Sie unter Verteilungszubehör.

Montage: Reihenfolge und Anzugsmoment

Zuerst wird der Klemmkörper von außen in die Gehäusebohrung gesetzt und von innen mit der Gegenmutter kontert. Erst danach wird das Kabel durchgeführt und die Druckschraube angezogen. Wer die Gegenmutter zuletzt setzt, verdreht die bereits gesetzte Dichtung.

Das Anzugsmoment ist herstellerabhängig und liegt bei Polyamid je nach Größe zwischen 2 und 8 Nm. Von Hand festgezogen ist in der Regel ausreichend – zu festes Anziehen quetscht den Dichtring und verschlechtert die Dichtwirkung, statt sie zu verbessern. Ein korrekt montierter Anschluss lässt sich am Kabel nicht verschieben und nicht verdrehen.

Nicht belegte Bohrungen werden mit Blindstopfen verschlossen. Eine offene Bohrung setzt die IP-Schutzart des gesamten Gehäuses außer Kraft, unabhängig davon, wie sorgfältig die übrigen Einführungen ausgeführt sind.

Kabelverschraubungen bei Sanos bestellen

Wir führen Kabelverschraubungen in kurzer und langer Ausführung, als Einzelstück und in wirtschaftlichen Großpackungen. Die meistverwendeten Größen M16, M20, M25 und M32 sind dauerhaft lagernd. Ergänzend finden Sie Kabelverlegungsmaterial, Leitungsbefestigungen und passende Leitungen als Meterware.

Als Fachhändler mit über 40 Jahren Erfahrung kalkulieren wir auf Großhandelsniveau, ohne Mindestbestellmenge. Ab 249 € Bestellwert liefern wir innerhalb Deutschlands versandkostenfrei. Bei Projektmengen oder Sondertypen rufen Sie uns an: 06204 / 6016721, Mo–Fr 08:00–16:00 Uhr.

Häufig gestellte Fragen

1 Welche Kabelverschraubung brauche ich für welches Kabel?
Maßgeblich ist der Außendurchmesser der Leitung, nicht der Leiterquerschnitt. M16 deckt 4,5 bis 10 mm ab, M20 sechs bis 12 mm, M25 elf bis 17 mm. Eine NYM-J 3×1,5 passt in M16, eine NYM-J 5×2,5 in M25.
2 Wie groß muss das Bohrloch für eine Kabelverschraubung sein?
Das Bohrloch ist jeweils 0,5 mm größer als die Gewindenennweite: M16 braucht 16,5 mm, M20 braucht 20,5 mm, M25 braucht 25,5 mm. Ein zu groß gebohrtes Loch lässt sich nachträglich nicht mehr abdichten.
3 Was ist der Unterschied zwischen PG- und metrischem Gewinde?
PG steht für Panzergewinde und ist das ältere System, metrische Gewinde nach EN 60423 sind heute Standard. Die beiden sind nicht kompatibel. PG11 und PG13,5 entsprechen etwa M20, PG16 etwa M25.
4 Muss eine Kabelverschraubung mit Drehmomentschlüssel angezogen werden?
In der Regel nicht. Handfest angezogen ist bei Polyamid ausreichend; die Werte liegen je nach Größe zwischen 2 und 8 Nm. Zu festes Anziehen quetscht den Dichtring und verschlechtert die Dichtwirkung.
5 Wie verhindere ich Kondenswasser im Gehäuse?
Ein Druckausgleichselement lässt Luft entweichen, hält aber Wasser zurück. Alternativ wird das Gehäuse so montiert, dass die Kabelverschraubungen nach unten zeigen, sodass Kondensat abtropfen kann statt sich zu sammeln.
6 Was passiert mit nicht genutzten Bohrungen im Gehäuse?
Sie müssen mit Blindstopfen verschlossen werden. Eine offene Bohrung setzt die IP-Schutzart des gesamten Gehäuses außer Kraft – unabhängig davon, wie sorgfältig die übrigen Einführungen ausgeführt sind.
7 Muss eine Kabelverschraubung aus Metall geerdet werden?
Metallische Kabelverschraubungen an leitfähigen Gehäusen werden in den Schutzpotentialausgleich einbezogen. Bei EMV-Ausführungen dient die Verschraubung zusätzlich dazu, den Kabelschirm rundum auf Gehäusepotential aufzulegen.

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